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„Haben Sie noch Tickets?“

Die DMEXCO 2019 auf dem Weg zum nachdenklichen Digital-Event

Vergangene Woche am 11. und 12. öffnete die etablierteste Digitalmesse Deutschlands wieder ihre Pforten. Wie angekündigt („DMEXCO 2019 – Und jährlich grüßt das Branchenevent“) repräsentierte OXID auch dieses Jahr mit großem Partnerstand das E-Commerce Business in Halle 7. Konnte uns das Event nach so vielen Jahren noch überraschen?

Beziehungsstatus „nicht mit und nicht ohne“?

Sagen wir es gerade heraus: die DMEXCO ist eine große Marke und rot im Kalender jedes Digital-Akteurs angestrichen – aber leicht hat sie es nicht.

In den letzten Jahren haben sich nicht nur sehr viele, sondern auch sehr viele gute neue Digital-Events etabliert. Sie alle sehen sich nun der schwierigen Herausforderung gegenüber, dass sie sich gegenseitig die Besucherströme anzapfen.

DMEXCO, K5, OMR, InternetWorld und wie sie alle heißen, plus diverse internationale Branchen-Konferenzen und Haus-Messen: so wenig man sie ignorieren kann…, auf allen präsent zu sein ist schon allein durch Parallelveranstaltungen inzwischen nur schwer möglich. Aber Unternehmen möchten das vielleicht auch gar nicht.

Volle Präsenz und Fokus sind in Zeiten von Reizüberflutung essentiell. Unternehmen wollen nicht zu allen, sondern zu den richtigen Events gehen. Man will nicht mit allen, sondern mit den richtigen Unternehmen, Kunden, Partnern, Experten sprechen. Das weiß auch die DMEXCO.

Gute Gründe für die DMEXCO Präsenz

Was man sich von der 2019er dmexco wünschte/befürchtete/erhoffte war sogar selbst Teil der Vorabkommunikation: von Konferenzprogramm bis App und WLAN – nichts bliebt unkommentiert.

Unter neuer Führung von Dominik Matyka (Chief Advisor der dmexco) und neuer Konferenzleitung durch Judith Kuehn (Director Conference) hatte das Event einen hohen Anspruch sich zu verändern und dies weitestgehend auch eingelöst. Das Motto „trust in you“ führt jeglichen Intepretationsversuch sofort in Richtung Werte, Authentizität und Verlässlichkeit. Ein hoher Anspruch für eine Branche, die das all zu gern und vielleicht auch viel zu lange ausgeklammert hat. Die allermeisten DMEXCO-Gänger honorierten soviel Novum in relativ bekanntem Rahmen höflich. Am Ende war die DMEXCO noch immer die DMEXCO.

Dabei war die gesamte Veranstaltung nicht ohne Sprengkraft. Wer Rednern eine Bühne bietet, die von den nebenan ausstellenden Googles und Facebooks sagt, dass sie über Zielgruppe und Reichweite lügen und das menschliche Dasein bedrohen, dem mangelt es nicht an Mut.

Dass dieses Erdbebenpotential sich dann aber doch als wohlwollend-fröhliches Getümmel einer großen Community realisiert, hat manche enttäuscht, lag aber wohl in der Natur der Sache.

Was diesmal auch noch anders war

Denn letztlich möchten sich DMEXCO-Kenner am Ende des Tages nicht daran aufhängen, ob einzelne Vortragsslots, das WLAN oder die Event- App die Erwartungen erfüllten. Sie setzen den Schwerpunkt woanders.

Fakt ist, dass für die meisten Aussteller und Besucher die DMEXCO eben kein Bildungs- sondern vor allem ein Businessevent ist: Die Konferenz sollte überzeugen, aber die Messe mit der Ausstellerfläche ist zentral!

Und da muss man erwähnen: es waren nicht alle bekannten Gesichter da, mit denen gerechnet wurde. Für manche war DMEXCO 2019 kein Pflichttermin mehr.

Die kommunizierten Zahlen von 40.000 Besuchern und knapp 1.000 Ausstellern wurden von einigen angezweifelt. Es wäre übertrieben mit sorgenvollen Gedanken an die CeBIT gleich einen Abgesang anzustimmen. Dennoch war in manchen Hallen Leerstand deutlich zu bemerken. Viele Stände hatten sich im Vergleich zum Vorjahr verkleinert und kamen nicht mehr mit der Top-Riege des Unternehmens. Ganz neue Aussteller waren hingegen kaum zu finden.

Dennoch war die Stimmung ausgezeichnet, je nach Halle war im Ausstellungsbereich „ richtig was los“. Das lag vor allem auch an dem Phänomen, dass viele ehemalige Aussteller sich dann doch nicht ganz fernhielten, sondern als Besucher kamen, um sich „einfach mal umzuschauen“ und zu bewerten.

Und das Umschauen lohnte sich, denn – auch hierbei muss man ehrlich sein – an den gezeigten Standards für Standkonzepte, Screens & Licht und Eventkommunikation und das nicht nur von Facebook, Google und Co. müssen sich andere Digitalevents messen lassen. Die DMEXCO hat Klasse.

Digital people – Feel good vibes 😀

Wir selbst hatten uns auf die DMEXCO voll eingelassen, um mit einem großen Konzept- und Partnerstand ein komplettes Erlebnis versammelter Digitalkompetenz bieten zu können. Aus unserer Sicht waren es zwei großartige Tage.

Es sind die Erfahrungen und das Mensch-zu-Mensch-Erlebnis, das man nicht missen möchte. Unsere Technologie- und Agenturpartner aber vor allem auch unsere Kunden und laufenden Projekte schätzen die Nahbarkeit des versammelten Teams an einem Ort. Das Event hatte eine gute Energie und Atmosphäre, die jeden in unserer Nähe erfasste, und das lag sich nicht nur an dem Mini-Workout mit Vitamin-Cocktail unseres Smoothie-Bikes. 😉

Launch-News, Kompetenz und Know-how-Transfer

Inhaltlich bearbeiteten wir weiterhin das immer wichtiger werdende Thema von KI-Anwendungen wie Personalisierung im E-Commerce. Desweiteren wir stellten wir unser neues Enterprise Cloud Offering vor, das erst kurz vor dem Event veröffentlicht und wahrgenommen worden war.

Teil des großen OXID Stands waren econda, mit KI und Personalisierung, DIXENO für Marktplatz-Konzepte, die Channel-Experten von brickfox, dotfly Digitalagentur für prämierte Shops, Europas teuerstes Fintech-Startup Klarna und die internationalen Content und Media Produktionsexperten von Laudert Home of Media. (Laudert schreibt eine eigene Review der dmexco hier: „Vertrauen im Marketing: Dmexco rückt ethische Fragen in den Blickpunkt“)

Michael Atug ist im Moment eine der umtriebigsten und bekanntesten Persönlichkeiten im deutschen Onlinehandel. Ob auf der Bühne, in seiner erfolgreichen Facebook Gruppe Multichannel Rockstars oder als Feedbackstimme für Plattformbetreiber wie eBay selbst: alle schätzen seine offene und zugewandte Art und seine No-Bullshit-Bingo-Attitüde. Was oft aus dem Fokus gerät: der Marktplatzexperte ist selbst als Händler im B2B-Geschäft tätig. Damit war er für uns der ideale Kandidat die Interviewserie „Vitamin B“ zu begleiten.

Wir drehten direkt auf der dmexco; denn wo sonst findet sich eine so hohe Dichte gesprächsbereiter Experten!?

Alle Video-Interviews sind im OXID Youtube Channel über die Playlist E-Commerce Update: „Vitamin B2B“ zu finden.

Fazit: Mit der DMEXCO ist zu rechnen

Die DMEXCO 2019 war in Summe ein lohnendes und spannendes Event. Das erkennt man vor allem auch daran, dass selbst Kritiker auf eine Teilnahme nicht ganz verzichten wollten.

Das Networking ist nach wie vor erstklassig; weil eben die allermeisten letztlich doch da waren. Bei uns wie bei vielen anderen hieß es kurz vor knapp dann von mehreren Seiten noch: „Habt ihr noch ungenutzte Tickets? Also, nur für die Messe…“

‚Wasch mich, aber mach mich nicht nass.‘ heißt das berühmte deutsche Sprichwort dazu. Oder ein bisschen schöner auf Englisch (nebenher bemerkt: Tolle internationale Speaker dieses Jahr auf der Bühne! Auch das ein großes Plus):

‚You cannot have the cake and eat it“

Nun – manchmal eben doch. Dann nämlich, wenn jemand anderes genügend Kuchen, beziehungsweise Tickets, übrig hat.

Und es ist auch ein Stück der Wahrheit der #dmexco19, dass am Schluss dann eben doch noch genug Tickets übrig waren.

Autorin:

Caroline Helbing, OXID eSales

Caroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce tätig, seit 2007 beim Freiburger Open Source E-Commerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Schwerpunkte sind „Omnichannel“, „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „Customer Experience“. Sie ist in E-Commerce Jurys und als Speakerin aktiv, und teilt ihr Wissen regelmäßig als Referentin in der OXID Academy.

Gastblog: Google zertifiziertes Händlerprogramm – Nutzen für Händler und Kunden?

Das Google zertifizierte Händlerprogramm wird bei Shopbetreibern immer beliebter. Viele große und kleine Anbieter nutzen das Google Gütesiegel inklusive Bewertungsmöglichkeit der Käufer. Lernen Sie heute, welche Vor- und Nachteile es hat und wie sich die Verbreitung im Laufe der letzten Monate weiterentwickelte.

Welche Anforderungen und Leistungsstandards muss Ihr Shop erfüllen?

Onlineshop-Betreiber müssen einige Anforderungen erfüllen und im weiteren Verlauf den Leistungsstandards entsprechen. Google bietet sein Gütesiegel Onlineshops an, welche durchschnittlich mindestens 200 Bestellungen im Monat abwickeln. Daneben gibt es ähnliche Voraussetzungen wie bei Google Shopping:

  • Die Kommunikation mit dem Kunden sollte in der Regel innerhalb von 24 Stunden möglich sein
  • Die gehandelten Waren und Dienstleistungen müssen aus unbedenklichen Kategorien stammen
  • Die Lieferzeiten der Artikel oder Dienstleistungen sollen verbindlich sein, ähnlich wie es bei Google Shopping Voraussetzung ist
  • Bezüglich des Kaufvorgangs dürfen die Warenkörbe nicht auf fremde Webseiten ausgelagert werden. Der Bezahlvorgang soll per SSL-Zertifikat verschlüsselt sein, um die Kundendaten soweit wie möglich gesichert zu haben

Google möchte diese Daten natürlich validieren und befragt die Kunden, wie der Bestellvorgang abgelaufen ist. Da diese vielleicht zuerst Google anstatt dem Shopbetreiber antworten, bleibt die Frage, wie sicher die Daten dort sind.
Derzeit vertreibt Google die angebotenen Produkte nicht selbst. Sollte dies jedoch irgendwann passieren, könnten aus den historischen Daten viele Kenntnisse gewonnen werden. Diese hatte Google vor dem Einsatz des Siegels nicht.

Welche Leistungen bringt Ihnen das Google zertifizierte Händlerprogramm im Vergleich zu anderen Gütesiegeln?

Für Sie ist es kostenlos. Es lässt sich schnell einrichten und einbinden. Innerhalb von 90 Tagen wird geprüft, ob der Shop den Anforderungen entspricht. Kunden können ab diesem Zeitpunkt den Kauf bewerten und werden zudem – in einem gewissen Maße – durch die finanzielle Absicherung vor Betrug geschützt.

Im Gegensatz zu kostenpflichtigen Käuferschutz- und Bewertungsplattformen wie Trusted Shops oder eKomi, ist hier der versicherte Betrag auf 1.000€ je Bestellung reduziert. Käufer und Shopbetreiber sollen Probleme selbst lösen, bevor Google aktiv wird.
Eine weitere Grenze des Käuferschutzes: Google deckt grundsätzlich nur Schäden mehrerer Kunden bis zu einer Grenze von 3.500€ je Shop ab. Danach wird das Gütesiegel theoretisch entzogen. Praktisch kann dabei aber durch Zeitüberschneidungen die Problematik entstehen, dass bis zum Greifen der Maßnahmen Kunden ins Leere laufen, die nicht abgesichert sind.

Bewertungsmöglichkeiten

Redcoon Google GütesiegelNeben der rechtlichen Absicherung sollen die Bewertungen über den Shop aufklären. Viele Kunden nutzen das bereits. Redcoon hat zum Beispiel über 30.000 Bewertungen von Käufern erhalten und ist damit führend in seiner Branche. Allgemein kann jedoch nur der Shop und nicht der Kauf bzw. die Funktion einzelner Produkte, wie es z.B. bei eKomi möglich ist, bewertet werden.

Wo wird der Käufer über das Google Gütesiegel informiert?

Google GütesiegelStandardmäßig wird das Siegel im Onlineshop schwebend in der rechten unteren Ecke eingeblendet. Es kann aber von Ihren Shopentwicklern auch an einer anderen Stelle positioniert werden.
Über einen Klick auf die Bewertungssterne gelangen Interessenten zu den abgegebenen Bewertungen. Das Siegel wird unserer Erfahrung nach häufig in Google Shopping Ergebnissen angezeigt und kann auch ohne Mehrkosten in Ihre Google AdWords Anzeigen integriert werden.
Hier sticht das Siegel besonders hervor. In der Google Suche hingegen wird dies in der Regel von den weiteren Anzeigenerweiterungen verdrängt, oder nicht angezeigt, da mehrere Gütesiegel genutzt werden.

Wie wird das Google zertifizierte Händlerprogramm von Kunden genutzt?

Aufgrund der täglichen vielzähligen Änderungen konnten wir leider keine direkten Auswirkungen auf den Umsatz beobachten, welche wir dem Einsatz des Siegels hätten zuordnen können. Es wird jedoch von vielen Käufern gerne genutzt, welche aktiv Bewertungen abgeben. Damit scheint eine weitere Zielgruppe angesprochen worden zu sein, die diese Bewertungsart als relevant ansieht.

Abschließend Zusammengefasst:

Vorteile:

  • einfache Integration durch umfangreiche Dokumentation und Kompatibilität mit gängigen Shopsystemen
  • keine finanziellen Kosten, dafür Abgabe der Daten
  • Bewertungsmöglichkeit für Kunden
  • Kundensicherheit durch Anforderungen sowie finanzielle Absicherung bis 1.000€
  • Gütesiegel in Google AdWords Shopping & ggf. Suche sichtbar
  • Vertrauen in Google Produkte von einigen Zielgruppen

Nachteile:

  • geringere finanzielle Absicherung auf Kundenseite (1.000€ je Bestellung) im Vergleich zu kostenpflichtigen Anbietern
  • kostenpflichtige Anbieter haben in der Regel derzeit noch eine bessere Anerkennung beim Kunden, weil diese weiter und länger verbreitet sind
  • geringer Prüfungsumfang durch den Anbieter im Vergleich zu kostenpflichtigen Käuferschutzprogrammen
  • einzelne Produkte können nicht bewertet werden, sondern nur der gesamte Kauf
  • Google erhält ein weiteres Mal Einsicht in Daten von Nutzern. Im Gegensatz zu den vorhandenen Auswertungstools wie Google Analytics oder Google AdWords nun auch noch spezifischer und personenbezogener.

Fazit

Google hat ein interessantes Gütesiegel mit Bewertungsfunktion geschaffen, welches am deutschen Markt beständig wächst. Die Anforderungen bezüglich des Bestellumfangs machen es auch kleineren Shops zugänglich und sind eine interessante Ergänzung zu den klassischen Shopsystemen. Wenn es Sie als Shopbetreiber nicht stört, dass Google (noch) mehr Daten von Ihnen und Ihren Kunden sammelt, ist es durchaus empfehlenswert. Wer jedoch aufgrund der eigenen Datenhoheit auf diese Werbe- und Analysemethoden bewusst verzichten möchte, sollte hier nicht zugreifen.

Autor:
Marc Doneleit, SEA Experte bei DixenoMarc Doneleit ist Webanalyse- und SEA-Experte bei DIXENO. Marc schnupperte erste Online Marketing Luft in der gehobenen Gastronomie, wo er Sterne-Köchen bei der Auswahl der Produkte half und im Newsletter-Marketing aktiv war. Diese Erfahrungen brachten ihn dazu ein E-Commerce-Studium aufzunehmen, eine Gärtnerei mit Freunden zu betreiben und einen eigenen Onlineshop zu gründen. Hier entdeckte er seine wahren Stärken, die Optimierung, Analyse und Auswertung von Suchmaschinenmarketing.