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229 Millionen Produkte auf Amazon.de

Gastblog: Stellen Sie sich die richtigen Fragen bei der Optimierung Ihres Lagers?

Chaotische Lagerhaltung vs. Festplatzsystem? FiFo oder LiFo? Und was es sonst noch zu beachten gilt!

In Großstädten beliefert Amazon seine Kunden innerhalb weniger Stunden. Kein Tag vergeht, ohne neue Meldungen zur Same-Day-Delivery oder zur Auslieferung von Produkten mit Drohnen und kleinen Robotern. Der Online-Handel boomt – der Konkurrenzkampf unter den Händlern ebenso.

 

Alleinstellungsmerkmale? Schwieriges Thema!

Alleine auf dem Marktplatz Amazon.de waren Ende 2016 229 Millionen Produkte gelistet.

 

229 Millionen Produkte auf Amazon.de

 

Wenn Sie sich also nicht über das Produkt selbst differenzieren können, dann eventuell über die Lieferzeit. Denn diese ist für den Kunden ein immens wichtiges Kaufkriterium!

Eine schnelle Lieferung erhöht nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern senkt auch die Anzahl an Retouren. Dabei verstehen 66 Prozent der Kunden unter einer „schnellen“ Lieferung die Zustellung der Ware innerhalb von zwei Tagen. Selbstverständlich, dass täglich an neuen Lösungen gearbeitet wird, die den Versand der Waren optimieren sollen!

Allerdings stellt sich die Frage, wie realistisch es ist, dass der mittelständische Online-Händler in naher Zukunft seine Waren über Drohnen versendet oder über kleine Roboter zustellen lässt? Doch es gibt auch andere Wege, um an der Stellschraube „Lieferzeit“ zu drehen, wie zum Beispiel: Ein gut strukturiertes Lager!

 

Um Ihr Lager zu strukturieren, sollten Sie sich zunächst die folgende Frage stellen: „Chaotische Lagerhaltung“ oder „Festplatzsystem“?

Um diese Frage zu beantworten, gibt es einige Faktoren, die Sie von Vornherein beachten sollten: Wie sind die räumlichen Gegebenheiten Ihres Lagers? Über welches Produktsortiment verfügen Sie und über welche Verkaufskanäle werden Ihre Produkte vertrieben? Die verschiedenen Vor- und Nachteile der beiden Verwaltungsarten können Ihnen bei der Entscheidung für eine Strategie behilflich sein.

Bei der Festplatzverwaltung werden den Waren – wie der Name schon sagt – feste und langfristige Plätze in dem Lager zugewiesen. Vorteil hierbei ist, dass die Lagermitarbeiter je nach Größe Ihres Sortiments genau diesen Standort kennen und sich so schnell im Lager zurechtfinden können. Ist Ihr Produktsortiment über das Jahr hinweg gleich, könnte diese Strategie womöglich die richtige für Sie sein. Ist Ihr Sortiment dahingegen von Saison zu Saison stark unterschiedlich, müssten sich Ihre Lagermitarbeiter auch im Festplatzsystem, je nach Saison, neue Stellplätze merken.

Ein anderes Prinzip verfolgt die chaotische (oder auch dynamische) Lagerplatzverwaltung. Hier werden die Produkte dort gelagert, wo gerade Platz ist. Die Lagersoftware behält den Überblick über die aktuellen Lagerplätze und ist darauf ausgerichtet, den freien Platz bestmöglich auszunutzen – und dabei die Laufwege der Mitarbeiter zu optimieren. Bei einem Wareneingang wählt die Lagersoftware unter Berücksichtigung vorab definierter Faktoren die Stellplätze für die Lieferung aus. Der Lagermitarbeiter lagert die Ware dort ein und erfasst diese Einlagerung beispielsweise mit einem mobilen Endgerät. Die Vorteile der chaotischen Lagerhaltung sind vielfältig. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, um diese zu nutzen:

Damit die Software die Entnahme oder Einlagerung erfassen kann, müssen Lagerplätze und auch die Waren selbst systematisch gekennzeichnet sein. Dies bedingt wiederum, dass die Waren grundsätzlich digital erfassbar sind und die entsprechende Hardware, wie MDE-Geräte im Lager eingesetzt werden können. Eine Voraussetzung zur Nutzung von MDE-Geräten ist beispielsweise die Verfügbarkeit von W-LAN in den Lagerhallen. Außerdem sollten die Produkte ähnliche Anforderungen an ihre Umgebung, wie Lichtverhältnisse oder Temperatur aufweisen. Gefahrengut eignet sich beispielsweise nicht für die chaotische Lagerhaltung, da besondere Vorschriften zur Einlagerung, Zusammenlegungsverbote und Mindestabstände eingehalten werden müssen.

Erfüllt Ihr Lager diese Voraussetzungen, kann der Lagermitarbeiter die Produkte schnell ein- und auslagern, denn die Software wählt einen geeigneten Platz aus. Zudem kann die maximale Lagerkapazität genutzt werden: Es gibt keine freizuhaltenden Plätze für gerade ausverkaufte Produkte oder Saisonware. Die Ware wird nach Wichtigkeit oder Durchlaufdauer im Lager gelagert, wodurch die Kommissionierung der Ware äußerst effizient abläuft. Häufig zu kommissionierende Produkte können an einem schnell zugänglichen Standort im Lager aufbewahrt werden. Last but not least, ist die Einarbeitungszeit Ihrer Lagermitarbeiter sehr gering: Neue Mitarbeiter müssen sich keine Stellplätze merken, was gerade in der Lagerführung durch wechselnde saisonale Aushilfskräfte sehr hilfreich sein kann.

Mit der richtigen Lagersoftware können Sie so die Effizienz Ihrer Lagerabläufe erhöhen und Ihre Ware schneller versenden! Daher ist es auch kein Zufall, dass Amazon oder Zalando ihre Lager über die chaotische Lagerhaltung steuern.

 

FiFo oder LiFo? Einzel-, Sammel-, oder 1-Artikelkommissionierung?

Nicht nur die chaotische Lagerhaltung führt zu einer Verbesserung Ihrer Lagereffektivität. Auch die Art der Ein- bzw. Auslagerung, also die Entscheidung für das FiFo- oder das LiFo-Prinzip sind ausschlaggebend für die Effizienz Ihrer Lagerprozesse!

Beim FiFo-Prinzip (First In – First Out) wird die zuerst eingelagerte Ware auch als Erstes dem Lager entnommen, wohingegen beim LiFo-Prinzip (Last In – Last Out) die zuletzt eingelagerte Ware direkt wieder entnommen bzw. ausgelagert wird. Eine ausführliche Definition der beiden Lagerstrategien haben wir Ihnen hier verlinkt.

Eine weitere Stellschraube zur Einsparung von Zeit in Ihrem Logistikprozess ist die Art der Kommissionierung: Je nachdem, ob Sie Ihre Waren über die Einzelkommissionierung, die einstufige Sammelkommissionierung, die mehrstufige Sammelkommissionierung oder die 1-Artikel-Kommissionierung picken, hat dies einen erheblichen Einfluss auf die Packdauer.

Die Vor- und Nachteile des FiFo- und des LiFo-Prinzips und eine Erklärung zu den verschiedenen Kommissionierstrategien können Sie in dem Ratgeber „Gewusst-wie: Vom Warenausgang bis zum Versand – verschiedene Wege zum Optimieren Ihres Lagers“ nachlesen. Gerne analysieren wir mit Ihnen gemeinsam Ihre Lagerprozesse und beraten Sie bei der Auswahl der für Sie optimalen Lagerstrategie! Schreiben Sie uns hierzu einfach eine E-Mail an [email protected]

 

Die Lieferzeit ab Lager als Kaufkriterium

 

Autor:

Markus-Meißner, Geschäftsführer von CatenoVor mehr als 15 Jahren wurde die cateno GmbH von Markus Meißner und Benjamin Bruno gegründet. Von Beginn an war es das Ziel von Markus Meißner, Online Händlern dabei zu helfen, ihren Arbeitsalltag zu vereinfachen! Aus dieser Intention heraus entstand die intelligente E-Commerce-Komplettlösung cateno 5: cateno 5 automatisiert sämtliche Bereiche im Arbeitsalltag von Online Händlern und verbindet die Warenwirtschaft mit dem OXID-Shopsystem, verschiedenen Marktplätzen, der Kundenkommunikation und der Lager- und Versandlogistik.

 

Logistik

Gastblog: E-Commerce-Logistik: Wir müssen reden! Oder wie Sie Ihre E-Commerce-Logistik nicht gegen die Wand fahren

Wenn Marketer und Einkäufer für einen Webshop große Verkaufsaktionen planen, sollten auch die Fulfillment- und Logistik-Partner ins Boot geholt werden. Doch was eigentlich logisch klingt, wird in der Praxis leider oft vergessen. Das gilt nach wie vor auch für „überraschende“ Auftrags-Spitzen wie Cyber Monday, Weihnachten oder die Schaltung von TV Spots.

Wenn ein stationär erfolgreicher Händler den Verkauf über den eigenen Webshop startet, passiert häufig folgendes: Auf Basis viel zu hoch kalkulierter Umsätze wird der Webshop an einen externen Dienstleister ausgelagert. Und obwohl in den ersten Monaten viel experimentiert wird, stellt sich der Erfolg nicht wirklich ein. Die Folge: Der Outsourcing-Partner reduziert seine vorgehaltenen Kapazitäten und stellt – häufig berechtigt – Nachforderungen an den Händler.

Schritt 1: Den Logistiker überfahren

Mit wachsender Erfahrung über erfolgsbringende Online-Mechanismen und sinnvolle Marketing-Aktivitäten steigen die Umsätze irgendwann an. Um die Kasse noch stärker klingeln zu lassen, startet der Händler seine erste große Werbeaktion nach dem Motto „20 Prozent auf alles“. Die Kunden beißen an und klicken in Scharen auf den Kaufen-Button. Allerdings vergessen die Shop-Betreiber meist, den Logistiker über das zu erwartende erhöhte Versandvolumen im Vorfeld zu informieren.

Logistik

Weil die ungeplanten Aufträge – mit Spitzen von über 50% des normalen Geschäftes – die Prozesskette überfordern und auch einfach nicht genügend Personal beim Fulfiller auf Knopfdruck parat steht, kommt es zu einem Rückstau in der Abarbeitung. Doch damit nicht genug: Im nun ausbrechenden Chaos werden zusätzlich manuelle Fehler begangen. Weil die erhöhten Bestellungen nicht rechtzeitig und teilweise auch noch fehlerhaft abgearbeitet werden, rufen die verärgerten Kunden vermehrt im Kundenservice an. Und auch diesen erwischt der ungeplante Peak vollkommen unvorbereitet. Das Resultat sind höhere Abwicklungskosten auf allen Seiten.

Schritt 2: Die Lager verstopfen

Im Anschluss wird in der Logistik nachgesteuert. Verantwortliche begeben sich auf die Suche nach Fehlern und Schuldigen. Mit dem Dienstleister wird nachverhandelt. Einzelne Schräubchen in der Prozesskette werden optimiert. Doch Einkauf und Marketing haben nun Geschmack an erfolgreichen Verkaufsaktionen im Online-Geschäft gefunden und wollen die erreichten Zahlen beispielsweise im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft noch erheblich steigern. Also baut der Einkauf das Sortiment aus und kauft pro Artikel höhere Stückzahlen ein. Die Marketingabteilung lässt sich ein anständiges Marketing-Budget für ihre Weihnachtskampagne freigeben und plant fleißig Aktionen.

Der Haken daran: Im schlimmsten Fall hat wieder mit dem Logistiker keiner gesprochen und mit ihm Pläne und Erwartungen abgestimmt. Schließlich muss dieser als beflissener Dienstleister ja aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und sicherstellen, dass das Geschäft reibungslos funktioniert – so die Denke des Auftraggebers.

Soweit die Theorie. Die Praxis jedoch sieht meist anders aus. Der erhebliche Sortiments-und Bestandsaufbau führt zu erneuten Engpässen in der Lagerhaltung. Weil das Lager maximal vollgestopft ist, kann das Waren-Handling nicht mehr effizient dargestellt werden – eine statische Lagerauslagung >85% ist logistisch generell ungesund. Um die Bestellspitzen abzufedern, werden kontinuierlich neue Arbeiter nachgeschoben, die allerdings aufgrund von Zeitmangel nicht ordentlich geschult werden können. Das Resultat: Das Lager wird kontinuierlich immer weniger leistungsfähig.

E-Commerce Logistik

Wer mitten im Schlamassel steckt, macht die Erfahrung: Eine effiziente Nachsteuerung unter Vollauslastung (>90% Lagerbelegung) ist ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen geht die gesamte Energie darin auf, Brandherde zu löschen. Die Organisation wird immer handlungsunfähiger und eine Abteilung schiebt der anderen den schwarzen Peter zu. Als ultima ratio bliebe nur der Schritt, das Fulfilment Volumen zu reduzieren, indem beispielsweise geplante Marketing-Aktivitäten abgesagt oder verschoben werden, um die aufgelaufenen Bestellungen irgendwie abzuarbeiten.

Schritt 3: Aus Schaden klug werden

Doch wie kann man diese Eskalationen vermeiden und die Prozesse künftig besser gestalten? Prozess- und Systemoptimierer empfehlen den Aufbau mittelfristiger Abverkaufsplanungen – rollierend je Woche, Monat, Quartal oder Jahr. Der geplante Sortimentsaufbau muss mit dem Einkauf dokumentiert werden – mit Angaben zur Gesamtzahl der Artikel, den Sortimentsbereichen und den lagernden Artikelstücken. Auch mit dem Dienstleister sollte es regelmäßige Abstimmungen geben – idealerweise mit Management-Beteiligung zwischen Händler und Dienstleister. Darüber hinaus gilt es, Planzahlen zu analysieren und ein Tagesreporting auf Basis von Plan- und Istzahlen aufzusetzen.

Eine Szenarioplanung und Logistik-Stresstests simulieren die Leistungsfähigkeit der eigenen Prozesse bei Belastungsspitzen und geben goldwerte Einblick in eventuell noch bestehende Flaschenhälse. Basierend auf der Szenarioplanung für die kommenden Jahre sollte dann nach Weihnachten auch die Logistikstrategie entsprechend weiterentwickelt werden.

Das beruhigende Ergebnis: Nach Umsetzung dieser Maßnahmen werden Belastungsspitzen, wie das Weihnachtsgeschäft im Folgejahr auch bei erheblich gesteigerten Bestellvolumina logistisch problemlos gemeistert. Weder der Sortimentsaufbau noch das Marketing werden durch Engpässe in der Logistik ausgebremst. Händler und Dienstleister arbeiten partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen. Und schlussendlich sinken durch die Prozessoptimierung und die Skalierung des Geschäftes auch noch die Logistikkosten. Dann endlich können alle Beteiligten aufatmen und sagen: Die Mühe hat sich gelohnt.

Autor

Oliver Lucas ecom consultingOliver Lucas ist Gründer der ecom consulting GmbH und hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich E-Commerce, Multichannel, Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Fulfilment. ecom consulting ist ein Prozess- und Systemgestalter für profitablen Online-Handel und macht Organisationen fit für E-Commerce und Multichannel. Schwerpunkte in der Beratung und Prozessbegleitung sind die Optimierung von Backend-Systemen und Prozessen (IT-Architektur, Logistik, Fulfilment), die Synchronisation von E-Business-Strategien mit den Anforderungen des digitalen Marktes sowie Make-or-Buy-Analysen inklusive Auswahl passender Systeme und Dienstleister. Oliver Lucas hält zahlreiche Fachvorträge zu Praxisbeispielen und Erfolgsfaktoren im Multichannel und Fulfillment. Zudem moderiert er Fachveranstaltungen, Workshops und Expertenrunden.