Die Metamorphose der Marktplätze (Teil 1)

Von Brigitta Johannesmeier, PR-Referentin bei DIXENO

Es war einmal ein Mann namens Jeff, dessen Plan war es, die wirtschaftliche Welt zu revolutionieren. So könnte rückblickend die Geschichte des Gründers des erfolgreichsten Marktplatzes unserer Zeit beginnen. Tut sie aber nicht! Jeff Bezos hatte keineswegs vor, irgendetwas zu revolutionieren! Er hat schlicht und einfach sein Ding gemacht. Er hat seinen kleinen Buchhandel zum internationalen Marktplatz transformiert und überwältigenden Erfolg eingefahren. Kein Wunder also, dass es ihm viele nachzumachen versuchen. Gelingt das? Können Marktplätze, so erfolgreich werden wie Amazon? Sind Online Marktplätze gar die ultimative Lösung für den eCommerce? Eine rasant wachsende Zahl der Unternehmen weltweit setzt aktuell darauf und macht sich Hoffnungen. Zu Recht?

Mehr und mehr Marktplätze entstehen

In den vergangenen 6 Jahren hat sich die Zahl der Marktplätze allein im DACH Raum mehr als verdoppelt. Von 81 auf 173 Anfang 2020. Global sieht es noch weitaus umfangreicher aus. Unzählige B2B und B2C Unternehmen versuchen zumindest Amazons Weg einzuschlagen. Sie betreiben einen Marktplatz, handeln selbst dort oder auf einem externen Marktplatz. Allerdings sind viele der Marktplätze und Händler auch wieder verschwunden. Licht und Schatten liegen bekanntlich nah beieinander. Zumal Unternehmen nicht immer freiwillig bei den Riesen onboarden. Oft genug sind es Zwänge, die dahinterstehen: Mehr Reichweite, neue Vertriebswege, Vergrößerung des Portfolios und die Hoffnung auf einen erfolgreichen Trend in harten Zeiten.

 

Lohnt sich der Aufwand?

Das Aufsetzen eines Marktplatzes mit seinen komplexen Funktionen ist um ein Vielfaches aufwändiger als bei einem Online-Shop. Die technischen Herausforderungen, das Managen der Beteiligten, Payment, Marketing und andere Aspekte auf Betreiberseite wollen sehr gut strukturiert und geplant sein. Schließlich unterliegen alle Aspekte einer Vervielfachung über die Händler. Rechtliche Vorgaben sind zu beachten, steuerliche Fragen und Absicherungen spielen gerade im B2B eine immense Rolle, die Überprüfung der Artikel und Rahmenbedingungen beim Einstellen bis zu Bildformaten aus Sicht des Betreibers schaffen einen Organisationsaufwand, den es zu bewältigen gilt. Händlerseits sind am Ende nur diejenigen erfolgreich, die neben rein praktischen Aspekten wie Logistik auch die extrem hohen und heterogenen Anforderungen an technisch optimierte Workflows stemmen.

Ist der Marktplatz Weg noch der richtige?

Interview mit Hubertus Brüggemann, Experte für Vertrieb und Changemanagement bei DIXENO

 

Richtig auf jeden Fall, aber nicht mehr so wie vor wenigen Jahren! Mit veränderten Kundenansprüchen wandeln sich auch Shops, Plattformen und eben auch Marktplätze. Kunden wünschen Einkaufserlebnisse – im B2C wie im B2B – die sich ihren Lebens- und Arbeitssituationen anpassen, die mitdenken, die rasanten Zeitansprüchen gerecht werden. Die neuen Marktplätze unserer Zeit müssen agiler und flexibler sein und vor allem einen sehr deutlichen Mehrwert liefern. Sie müssen den Nutzern mehr bieten, als diese erwarten. Nämlich zusätzliche Funktionen, die Kundenansprüche und Unternehmen zusammenbringen.

Gibt es damit den neuen Jeff Bezos nicht mehr?

Doch den gibt es! Jeder kann den Amazon Weg gehen. Aber für Unternehmen heißt erfolgreich „sein Ding machen“, nicht dem Mainstream zu folgen, sondern mit einem Nischenmarktplatz einem vollständig auf den Kunden ausgerichteten eigenen Weg zu gehen. Nicht Wettbewerbsprodukte zur Erweiterung des eigenen Portfolios auf den Marktplatz holen, sondern ergänzende Dienstleistungen, Einbindung lokaler Stores, regionale und digitale Anbindungen unterschiedlichster Art verknüpfen und viele weitere Möglichkeiten, die die eigene Nische ergänzen. Das kann für jedes Unternehmen anders aussehen. Muss es sogar! Aktuelle und zukünftig aufkommende Kundenansprüche lassen sich so umsetzen: Umweltbewusstsein genauso wie Design-Begeisterung, neue Orientierung zu regionalen Anbietern bei Endverbrauchern ebenso wie Digital- und Technik-Affinität. Darüber hinaus müssen höchste Ansprüche an Präzision, technische Prozesse oder rechtliche Vorgaben im Geschäftskundenbereich umgesetzt sein“.

Wie sieht das in der Praxis aus?

„Ein Beispiel: Für https://www.protiq.com/ hat DIXENO einen internationalen Marktplatz für 3D-Druck entwickelt. Kunden aus aller Welt laden hier ihre Daten hoch, ein Robot prüft die eingegangenen Daten: auf Machbarkeit, Wandstärke, Topologie-Optimierung usw. Der Kunde erhält unmittelbar Rückmeldung von der Plattform. Ist alles OK, kann er mit seinem eigenen Produktionsprozess ohne Verzögerung fortfahren. Er profitiert eindeutig von Online-Mehrwerten solcher Konfiguratoren.

Oder ein weiteres Beispiel:https://www.co-med.de/. Medizinische Versorgungseinrichtungen unterliegen einer gesetzlichen Verpflichtung zur Produkteinweisung. Wir haben für Co-med einen Nischenmarktplatz aufgesetzt, bei dem über einen Storelocator genau diese Produkteinweisung verknüpft ist. Das sieht auf der Plattform dann so aus: Die medizinischen Versorgungszentren legen ein Produkt in den Warenkorb, gleichzeitig wird über den Storelocator per Postleitzahl ein Händler und Dienstleistungsanbieter in der Region des Kunden vorgeschlagen. Und regional ausgewählt. Hardware kaufen, Dienstleistung vor Ort hinzuwählen bedeutet für den Kunden viel Zeitersparnis, kurze Wege, wenig CO2-Verbrauch usw.“

Wie gehen Unternehmen nun den Amazon Weg?

„Sein Ding machen heißt, denken wir Bezos. Als Buchhändler wusste er wie Leser ticken. Leser sind süchtig, sie wollen schnell und unkompliziert an das nächste Buch kommen. Das hat Amazon von Beginn an geboten. Service, Service, Service und Vertrauen aufbauen: Customer Centricity aus dem Lehrbuch! Erfolgreiche Marktplätze – und nicht nur Marktplätze, sondern alle wirtschaftlichen Unternehmungen – bieten Ihren Kunden sehr präzise, individuelle Mehrwerte. Es gibt nur einen Weg zum dauerhaften Erfolg. Der beginnt bei der Denkweise des Kunden und endet auch wieder dort.“

 

Hubertus Brüggemann, zuständig für Beratung, Vertrieb und Changemanagement bei der Paderborner Digitalagentur DIXENO, begleitet mittelständische Unternehmen beim erfolgreichen Einstieg in die digitale Transformation. Sein Schwerpunkt sind B2B-Anbindungen, Marktplätze, Service-, Beschaffungs- und Kundenportale auf Basis vorhandener IT-Struktur.

Es gibt nur einen Weg zum dauerhaften Erfolg. Der beginnt bei der Denkweise des Kunden und endet auch wieder dort.

Hubertus Brüggemann, Beratung, Vertrieb und Changemanagement bei DIXENO

Dieser Gastartikel ist Teil einer zwei-teiligen Serie. Teil 2 trägt den Titel Nischenmarktplätze – von Hidden Champions lernen. Darin erfahren Sie, für wen ein Nischenmarktplatz die richtige Lösung ist, wie der Weg dahin aussieht und welche technischen Aspekte eine große Rolle spielen. Den Abschluss bildet eine „Checkliste Marktplatz“.

Informationen zur Gastautorin:

Brigitta Johannesmeier ist PR-Referentin bei DIXENO. Die Paderborner Digitalagentur digitalisiert klassische Prozesse für Industrie, Handel und Verbände auf Basis vorhandener IT-Struktur. Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation werden Marktplätze, Online-Shops, B2B-Anbindungen, Service-, Beschaffungs- und Kundenportale entwickelt, erstellt und mit modernsten Online-Marketing Maßnahmen unterstützt. Neue Denkstrukturen zum Internet of Things (IoT), API-First-Strategie und weitere, progressive B2B-Kernfaktoren stehen dabei im Fokus.


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